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Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon Swift am 16.03.2009 16:01

In der deutschen Öffentlichkeit verschwinden schleichend religiöse Symbole.

Ich möchte nicht soweit gehen zu sagen, dass, mit Ausnahme der ehemaligen DDR-Gebieten, dem Volk systematisch ihre Religion genommen werden soll, aber wie die Gesellschaft durch unterschiedliche Interessengruppen von ihren Wurzeln wegmanipuliert wird.
Ich nenne mal zwei Beispiele, und mich würde interessieren, in welchen Bereichen, auch ohne Gerichtsbeschlüsse, unsere Gesellschaft von der christlichen Tradition gelöst wird.

Ich fange mal mit dem bekanntesten Beispiel an. Das Kruzifix in der Schule. Ende der Achtziger Jahre hat ein Familie gegen ein Kruzifix im Klassenzimmer geklagt. Die Familie ist merkwürdigerweise anthroposophisch ausgerichtet. Merkwürdigerweise, weil die Anthroposophen selber eine Christengemeinschaft unterhalten. Was es damit auch immer auf sich hat, das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass das Kreuz in den Schulen gegen Art. 4 Abs. 1 GG verstoßen soll. Als einziges Land hat heute noch Bayern, nicht aus religiösen, sondern aus traditionellen Gründen :mrgreen: , das Kreuz im Klassenzimmer.

In den deutschen Gerichtssälen gibt es heute ebenfalls kein Kreuz mehr. Hier ist es sogar noch strenger. Auch die Kleidung darf von seitens des Gerichts in keinster Weise, auf ein religiöses Bekenntnis hinweisen. Vor ca. 35 Jahren wurde beschlossen, dass ein Kreuz auf Wunsch aus dem Gerichtssaal entfernt werden soll. Seit Mitte der Neunziger besteht für die Seite des Gerichts ein absolutes Bekenntnisverbot.

In dem Bericht über den Tochterschinder Joseph Fritzl ist mir aufgefallen, dass vor dem Richter auf dem Tisch ein Kreuz und zwei Kerzen, die zwar nicht brannten, aber zu irgendeinen zuvor schon mal angesteckt wurden, stand. Kennt sich jemand bei den österreichischen Gepflogenheiten aus? Zu welchem Anlass werden in einem österreichischen Gerichtssaal die beiden Kerzen, die sich auf dem Tisch des Richters zwischen einem Kreuz befinden angesteckt?

Gibt es noch mehr Beispiele bei denen der Glaube aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden. Es können auch so banale Dinge sein, wie der Schutzpatron, der in irgendeiner Behörde verehrt wird.

Mich würde auch interessieren, ob es in Behörden noch heute einen religiösen Kultus gibt. Sei es ein hoheitliches Zeichen, oder das gemeinsame Gebet, usw. Da wir in dem Bereich Geschichte sind, würde mich auch der historische Hintergrund interessieren.
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon StefanK am 16.03.2009 17:13

Spontan fällt mir die kürzlich durch die Presse gegangene Auseinandersetzung um's Schulgebet in Korschenbroich ein.

Inzwischen ist, soweit ich weiß, das Kind der klagenden Eltern von der Schule genommen worden, so dass sich das Problem defacto erledigt hat.
Genau genommen gehört zu diesem Thema auch das Kopftuchverbot. Da trifft's halt nicht die christlichen, sondern die muslimischen Symbole.
Gruß
Stefan
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon skippy am 16.03.2009 17:31

Swift hat geschrieben:In dem Bericht über den Tochterschinder Joseph Fritzl ist mir aufgefallen, dass vor dem Richter auf dem Tisch ein Kreuz und zwei Kerzen, die zwar nicht brannten, aber zu irgendeinen zuvor schon mal angesteckt wurden, stand. Kennt sich jemand bei den österreichischen Gepflogenheiten aus? Zu welchem Anlass werden in einem österreichischen Gerichtssaal die beiden Kerzen, die sich auf dem Tisch des Richters zwischen einem Kreuz befinden angesteckt?


Hi Philo,

die Kerzen werden bei der Vereidigung vor Gericht angezündet. Wobei die Vereidigung selbst wahlweise mit oder ohne religiöse Formel erfolgt (kommt vermutlich auch auf die Gegend an...); aber Kreuz und Kerzen brauchts dazu.

Gruß
Verena
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon dergrauebalu am 16.03.2009 17:31

StefanK hat geschrieben:Spontan fällt mir die kürzlich durch die Presse gegangene Auseinandersetzung um's Schulgebet in Korschenbroich ein.

Inzwischen ist, soweit ich weiß, das Kind der klagenden Eltern von der Schule genommen worden, so dass sich das Problem defacto erledigt hat.
Genau genommen gehört zu diesem Thema auch das Kopftuchverbot. Da trifft's halt nicht die christlichen, sondern die muslimischen Symbole.
Gruß
Stefan


Sorry, das Kreuz mit dem Kopftuch gleichzusetzen finde ich daneben ...

Das Kreuz ist für mich mehr als ein Symbol.
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon StefanK am 16.03.2009 17:49

Ich wollte Kreuz und Kopftuch nicht gleichsetzen, ich hatte die Frage aber in Bezug auf religiöse Symbole und Bekenntnisse im öffentlichen Leben verstanden.
Gruß
Stefan
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon herminator am 31.08.2009 16:52

"Schulgebet"

Dabei geht es ja nicht ums Beten an sich, sondern um ein verpflichtendes gemeinsames Gebet!

Während meiner Zeit an der Altenpflegeschule war in einem Jahr ein verpflichtender Weihnachtsgottesdienst geplant, an dessen Gestaltung ich auch beteiligt war. Dennoch habe ich als Klassensprecher zusammen mit anderen beim Rektor protestiert, so etwas ist klar gegen das GG.

Hier darf es keinen Zwang geben. Wenn heute der Staat zu christlichem drängen dürfte - wer weiß, vielleicht drängt er dann irgendwann in Richtung Islam, das möchte ich nicht!

Und es hindert niemand die Christen allein oder gemeinsam zu beten!
Schalom
Hermann

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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon Janand am 04.09.2009 07:29

Nun ja, ich habe selber schon von Einzelfällen erfahren, wo in Schulen den Gebetskreisen plötzlich untersagt wurde, sich in den Räumen der Schule zu treffen - und das waren freiwillige Treffen einiger weniger Schüler. Und in meiner Zeit in Marburg wurde ein Theologieprofessor besonders hart angegriffen, weil er es sich unterstand, seine Vorlesungen mit gemeinsamen Gebet und einem Choral zu beginnen - er wurde schließlich aus der Uni rausgemobbt.
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon Sascha am 19.02.2010 22:54

Ich glaube der Threadsteller kennt mein Problem. Das religiöse Leben in der DDR wurde de facto zum erliegen gebracht. Es fing langsam an sich wieder auf zubauen, aber da kommt natürlich unser Gleichstellungsparagraph zu fassen. Müssen in allen deutschen Schulen Gebetsräume für Muslime zur Verfügung gestellt werden, dürfen Lehrerinnen diesen Glaubens ihr Kopftuch tragen im Unterricht, während unsere Kinder ein Mützen-, Kappen (wie auch immer) Verbot haben in geschlossenen Räumen? Ich finde, wir sind ein christlich verbundenes Gebiet, und ich ziehe für mich Kraft und Energie aus dem Kreuz bzw. Kruzifix. Sicherlich kann man es auch aus dem Inneren bekommen, doch ist ein sichtbares Zeichen für Kinder einfacher zu greifen. Unser Glaube stärkt die Gemeinschaft, und auch jeden einzelnen für sich. Deshalb empfinde ich ein Verbot von christlichen Sinnzeichen in öffentlichen Gebäuden, zur gezeigten Akzeptanz gegenüber Andersgläubigen, als nicht erstrebenswert. Wenn ich in muslimische Länder auswandere und in Nähe von Moschees ansiedele. erwarte ich auch nicht, dass der Vorbeter seinen Gesang einstellt.
"... wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."
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Re: Kruzifix und Neutralitätsprinzip

Beitragvon Bedeutungslos am 21.03.2010 23:58

Öffentlich-Rechtlicher Pseudo-Säkularer Sektenraum (ÖRPSS)

Neuestes Gerücht: Analog zu „Raucherräumen“ plant die Kulturminister-Konferenz, baldmöglichst „Religiositätsräume“ einzuführen. Eine vollständig christlich-jüdische religionsfreie Gesellschaft ist dagegen bisher nur in Planung (bei EU-weiter Sondererlaubnis für den Islam oder berufliche anerkannte Sprengstoffgürtel-Träger).
Mittelfristig sollen auch diese Räume „Konfessionslosen Freidenkerzonen“ weichen (vorbehaltlich wichtiger Ausnahmen für muslimische Mitbürger oder berufliche anerkannte Sprengstoffgürtel-Träger).
Christliche Fundamentalisten, die gewaltfreie Lösungen proklamieren, werden anerkannten Sprengstoffgürtelträgern ausdrücklich NICHT gleichgestellt.
Islamische Gemeinden, die Gewalt gegen Christen und Juden ausdrücklich ablehnen, sind uns bisher leider nicht namentlich bekannt. Um ein falsches Gesamtbild zu vermeiden, werden sie dringend gebeten, sich hier zu melden.
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